Große Oper über einen kleinen Jungen

Am Montag, 22. Mai stellen Intendantin Juliane Votteler und Regisseur Lorenzo Fioroni erstmals die Inszenierung zu Karl Amadeus Hartmanns Oper Simplicius Simplicissimus der Öffentlichkeit vor. Einblicke in die Produktion geben bei der Opernwerkstatt mit Probenbesuch auch die Mitglieder des Opernensembles. Los geht´s um 18:45 Uhr, Treffpunkt ist die brechtbühne, Veranstaltungsort dann die Probebühne 1. Karten für die Opernwerkstatt sind für 6 Euro online und beim Besucherservice in der Kassenhalle erhältlich.

Der Regisseur
Lorenzo Fioroni inszenierte bereits an zahlreichen deutschen Theatern und Opernhäusern. Für seine Inszenierungen Dialogues des Carmelites und Nabucco am Theater Osnabrück wurde der gebürtige Italiener in der „Opernwelt“ als „Bester Regisseur“ nominiert. An der Deutschen Oper in Berlin inszenierte er bereits Verdis Simon Boccanegra und Puccinis Turandot. Auch in Augsburg kann Lorenzo Fioroni bereits auf einige umjubelte Operninszenierungen zurückblicken: Über seine Carmen schrieb Markus Thiel im Münchner Merkur am 24. Oktober 2011: „Mission erfüllt. Diese „Carmen“ ist ein Aufreger in jeglicher Hinsicht, mehr noch: ein Muss.“ Fioronis Inszenierung von Strauss´ Elektra in der Saison 2012/13 nannte Rüdiger Heinze von der Augsburger Allgemeinen „überzeugend, stringent, ja, wie gesagt: fulminant.“ Und auch in der vergangenen Spielzeit war eine Inszenierung von Lorenzo Fioroni im Großen Haus des Theaters Augsburg zu sehen: Verdis Blutoper Macbeth.

Das Regiekonzept
… wird natürlich vor der Werkstatt nicht verraten. Nur so viel: Ähnlich wie unser Schauspiel „Unruhe“ im Paradies (UA), das derzeit auf der brechtbühne zu erleben ist, findet auch Simplicius Simplicissimus in einer besonderen Arenabestuhlung statt, die einem außergewöhnlichen Regiekonzept Rechnung tragen wird.

Die Oper
Karl Amadeus Hartmann verbrachte die Jahre des Nationalsozialismus in „Inner Migration“, einsam in einem Haus am Starnberger See und beschäftigte sich mit Werken, die er nicht publizierte. Auf der Suche nach einem Stoff, der ihm angemessenen schien, die aktuelle Situation seiner Zeit auf der Opernbühne darzustellen, stieß er in der Zusammenarbeit mit Hermann Scherchen auf den Roman Der abenteuerliche Simplicissimus des Barock-Autors Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. In seiner Oper Simplicius Simplicissimus zieht er eine Parallele zwischen den Schreckensjahren Europas im 17. Jahrhundert und denen des Nazi-Terrors. Wie damals im Namen der beiden christlichen Konfessionen Millionen Menschen den Tod fanden, so sollte der Zweite Weltkrieg im 20. Jahrhundert im Namen der Ideologien ebenso verheerend und zerstörerisch das Leben aller verändern. Musikalisch entwickelt Hartmann lediglich mit einem kleinen Orchesterapparat eine differenzierte Umsetzung dieses großen Stoffes. Zu entdecken sind darin zahlreiche Mittel der neuen Musik nach Schönberg. Die überarbeitete Zweitfassung der Kammeroper erlebte ihre Uraufführung am 9. Juli 1957 am Nationaltheater Mannheim.

Der Roman
In seinem Schelmenroman Der abenteuerliche Simplicissimus, der 1668 erschien, schildert Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges aus der Perspektive eines Knaben. Das Hauptwerk des barocken Autors gilt als erster Abenteuerroman und ist heute auch unter dem Titel Simplicius Simplicissimus bekannt. Ein Junge, der ohne jede Bildung und Erziehung bei Bauern aufwächst, wird Zeuge eines Überfalls marodierender Soldaten, die alles Leben auf dem Hof auslöschen. Nur er entgeht dem Gemetzel. Hilflos irrt er durch das verwüstete Land und findet bei einem Einsiedler Unterschlupf. Dieser unterweist ihn in der christlichen Religion und gibt ihm wegen seiner großen Einfalt den Namen Simplicissimus. Als sein Mentor stirbt, zieht der Knabe weiter und gerät schließlich auch in die Stadt und an einen Hof. Dort erkennt er die Mechanismen, die die Gesellschaft erhalten: Die Wenigen oben, die in den Bäumen leben wie die Vögel, ernähren sich von den Vielen unten, die mit ihrem Blut die Erde tränken.

Wir präsentieren Simplicius Simplicissimus ab dem 2. Juni (Premiere) in der brechtbühne des Theaters Augsburg – im Rahmen von In Gottes Namen.

An was glaubst DU?

Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen – und legte den Grundstein für seine Reformation der christlichen Kirche. Was im 16. Jahrhundert angestoßen wurde, veränderte Deutschland, Europa und die Welt. 2017 jährt sich Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal.

Durch ihre Historie ist die Stadt Augsburg – von Luthers Streitgespräch mit Kardinal Cajetan (1518) bis hin zum Augsburger Religionsfrieden (1555) – eng mit den religiösen Disputen des Dreißigjährigen Krieges und den Entwicklungen des Landes verbunden. So  stellt sich im Zuge des Reformationsjubiläums hier in Augsburg die Frage: Welche Rolle spielen Glaube und Religion heute im Zusammenleben der Menschen in der Friedensstadt? Und zu welchen Bekenntnissen drängt es die Bewohner?

Auf der Suche nach Antworten

In ihrem neuen Rechercheprojekt „Unruhe“ im Paradies gehen Harry Fuhrmann und Christiane Wiegand diesen und weiteren Fragen auf den Grund. Auf der Suche nach Antworten begab sich das Duo mitten unter die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Mit über vierzig alteingesessenen und neu zugezogenen Augsburgern verschiedenster Glaubensrichtungen und Überzeugungen kamen Fuhrmann und Wiegand ins Gespräch. Die unterschiedlichen Geschichten brachten Gräben in der Stadtgesellschaft zu Tage, offenbarten Träume und Ängste und warfen Fragen an die gemeinsame Zukunft auf. Basierend auf diesen Gesprächen entwickelte das Regieteam einzelne Figuren diverser Überzeugungen und Religionszugehörigkeiten. Im Laufe des Abends erzählen diese von ihren persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen, treffen aufeinander und geben einen Einblick in die Komplexität von Glaube und friedlichem Zusammenleben.

Altbekanntes Team

Bereits in der Spielzeit 2009/10 entwickelten Harry Fuhrmann und Christiane Wiegand in einer ähnlichen Herangehensweise die Produktion Die Weber von Augsburg – augsburg factory: web und walk. Auf der Grundlage von historischen Recherchen, vor allem aber Gesprächen mit Arbeiterinnen, Arbeitern und Angestellten erschufen Fuhrmann und Wiegand ein farbenfrohes Portrait der Augsburger Textilindustrie auf dem Gelände der Dierig Holding AG in Pfersee.

Puppenspielkunst in der brechtbühne

Nun begeistert das Duo seit Samstag mit seiner aktuellen Produktion „Unruhe“ im Paradies in der brechtbühne. Dafür haben sich die beiden ein paar ganz besondere Gäste gesucht: Neben sechs Schauspielern unseres Ensembles und Susanne Reng vom Jungen Theater Augsburg, wurden für das Recherchestück auch drei Studenten der „Zeitgenössischen Puppenspielkunst“ der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin engagiert. Mit ihren zahlreichen Figuren sorgen die Puppenspieler immer wieder für überraschende Momente, die begeistern und verzaubern.

Neue Arenabestuhlung

Außerdem haben Sie im Rahmen der Produktion die Möglichkeit die brechtbühne einmal ganz neu zu erleben! Nach der letzten Faust-Vorstellung im April hieß es nämlich „Bye, bye Tribüne“ und „Hallo Arena-Bestuhlung“. Die gewohnte Tribüne mit ihren dreizehn Reihen wich einer drei- beziehungsweise vierreihigen Bestuhlung, welche die Bühne nun arenengleich an drei Seiten umschließt. Die Folge? Trotz gleicher Adresse erleben Sie in der brechtbühne nach dem Tribünen-Ausbau nun eine völlig neue Spielstätte, in der die Darsteller viel näher an das Publikum herankommen und die Produktionen aus einer neuen Perspektive zu erleben sind. Vorbeikommen und Staunen!


„Unruhe“ im Paradies
nächste Vorstellung heute Abend und noch bis 25. Juni 2017 in der brechtbühne

Das jtt lädt zum Perspektivwechsel

Einmal pro Woche trifft sich der Jugendclub am Theater Augsburg. In verschiedenen Workshops mit Körper-, Stimm- und Sprechübungen und der Auseinandersetzung mit Texten hat das jtt (junge theater team) hier unter der Leitung von Theaterpädagogin Nicoletta Kindermann die Möglichkeit sich auszuprobieren und nach und nach eine eigene Produktion zu gestalten. Nun ist es wieder soweit: Die neuste Produktion des Jugendclubs steht kurz vor ihrer Premiere! Diese Spielzeit haben sich die Jugendlichen mit Martin Heckmanns Theaterstück Die Zuschauer gewidmet und sich mit den Arten des Erlebens von Theater auseinandergesetzt.

Dabei kamen so einige Fragen auf: Wie verhalten wir uns eigentlich im Theater? Was nehmen wir wahr? Sollte man als Zuschauer gut vorbereitet sein und vorab wissen worum es im Stück geht? Zuschauen ist ja keine rein passive Tätigkeit, denn wir sind dazu aufgerufen aktiv an der Produktion teilzunehmen. Im Hinblick auf die körperliche Teilnahme mutet ein Theaterstück seinen Zuschauer sogar einiges zu: Vom Publikum wird erwartet, über zwei Stunden hinweg mucksmäußchenstill im Dunkeln zu sitzen und alle physischen Vitalfunktionen unterdrücken. Nach dem Vorstellungsbesuch kann man mit Fug und Recht sagen man hätte nichts verstanden, aber man kann nicht behaupten, dass man nichts gesehen, gehört oder erfahren hat! Zuschauer, die vehement daran festhalten, ihnen hätte eine Vorstellung nicht gefallen, können sich trotzdem im Nachhinein oft sofort an bestimmte Augenblicke des Stücks erinnern. Ein Zuschauer, der jedoch meint alles verstanden zu haben, muss im Nachhinein über nichts mehr nachdenken.

Theateraufführungen sind ein soziales Ereignis mit eigenwilligen Formen der Gemeinschaft. Während der Vorstellung kann das Publikum dynamische Veränderungen erffahren, in denen jeder einzelne Zuschauer über sich selbst hinauswachsen kann. Was macht Theater also mit seinen Zuschauern? Finden Sie es heraus! Premiere feiert die Produktion heute Abend, 26. April 2017 um 19.30 Uhr im hoffmannkeller. Weitere Termine sind im Mai und Juli geplant.

Die Zuschauer
Premiere: 26. April 2017
hoffmannkeller

Spannende Langeweile komponieren!

Um es gleich vorweg zu nehmen: hier geht es nicht um eine langweilige Oper, sondern darum, wie Komponist Hans Thomalla das paradoxerweise höchst interessante Thema der Langweile in seiner Oper musikalisch umsetzt. Hans Thomalla beschäftigte sich ausgiebig damit, wie er die vermeintliche „Idylle“ der Gesellschaft, in die Kaspar Hauser einbricht, komponieren kann; vor allem, da sie zeitgleich eine omnipräsente Gefährdung darstellt.

So entschied sich der Komponist für das Orchester als Basis der monotonen Ruhe. Thomalla schreibt hierzu in der Deutschen Bühne (Januarausgabe 2016):

„Harmonisch zementiert in einem großen Akkord, dessen symmetrische Architektur über alle Register jedem Ton oder Klang seinen Platz zuweist. Doch in den Bausteinen dieses Akkordes sind kleine ‚Risse‘, inkommensurable Elemente, die sich der quasitonalen Symmetrie widersetzen. Das Intervall der kleinen Sekunde, das mit einem Anklang von Sentimentalität das Zentrum des Akkordes markiert, wird etwa von einem brüchigen Saxophonspaltklang gespielt, der immer etwas zittert, wabert und nie ganz ‚einrastet‘ in die Architektur des Akkordes.“

Rhythmisch äußert sich die Langeweile zu großen Teilen in Mustern stur fortlaufender Pulse, versehen mit Unschärfen und Ausbrüchen – wie etwa das pulsierende, verstimmte Akkordeon, oder zwei wummernde, gegeneinander verstimmte, tiefe Saiten. Die nach Stabilität suchende Monotonie äußert sich in ähnlichen Strukturen: So wird der erste Ton einer längeren Pulskette zum Beispiel immer von einer tiefen Harfe oder von Bässen gezupft. Wieder sind die Saiten der Harfe mikrotonal verstimmt und die Ruhe der Wiederholung wird durch eine leise, schwer greifbare Verschmutzung der Ordnung der Orchestertexturen gestört.

Der Gesang der Protagonisten spiegelt ebenfalls die gutbürgerliche Monotonie der Bürger Nürnbergs und Ansbach wider. Kaspar Hausers fremdartige Erscheinung erschüttert diese, wenn auch auf wackligen Füßen stehende Ordnung der Bürger, denn er fördert, wie Thomalla es nennt, das Schmutzige in der geordneten Monotonie zutage. Was den Komponisten während des Kompositionsvorgangs selbst überraschte, war, dass diese klanglichen Verstimmungen und Verschmutzungen jedoch fast von auratischer Schönheit sind. In der Januarausgabe 2016 der Deutschen Bühne schreibt er ebenfall, dass:

„die Gefährdung der monotonen Textur durch die nicht rationalisierbare Klangwelt Kaspar Hausers, durch die Verstimmungen, die Ausbrüche und die unkontrollierbaren Pulsierungen, keine Zerstörung von Schönheit bedeutet, sondern dass gerade in der Spannung aus monotoner Struktur und ihrer Gefährdung das Potenzial für die spezifische klangliche und szenische Schönheit dieser Oper […] liegen kann.“

Kaspar Hauser feiert am 23. April 2017 Premiere im Staatlichen Textil- und Industriemuseum (tim).

Ballettpremiere im Kongresszentrum

Mit Carmen / Bolero blicken die kroatische Choreografin Valentina Turcu und Hauschoreograf Riccardo De Nigris am 7. April der Premiere eines Doppelballettabends im Kongress am Park entgegen.

NARZISS / BOLERO

Maurice Ravels Bolero, 1928 in der Pariser Oper uraufgeführt, entpuppte sich wegen seiner erotischen, lasziven Tanzweise sofort zum handfesten Skandal. Im Handumdrehen erlangte das Werk eine große Popularität, die vom Komponisten selbst jedoch zeitlebends unverstanden blieb. Auch heute zählt Bolero zu den meistgespielten Werken der Orchesterliteratur. Zahlreiche Musiker ließen sich von Ravels Ballettkomposition inspirieren – so Frank Zappa, die Rolling Stones und Deep Purple. Auch in Film- und Fernsehen wurde Bolero mehrfach aufgegriffen.

Riccardo De Nigris widmet sich Ravels Komposition nun mit einer Choreografie. Thema ist der moderne Narzissmus: Selbstbespiegelung und Eitelkeit werden moralischen Werten und innerer Schönheit gegenübergestellt – ein Konflikt, der weit in die Vergangenheit zurückreicht und gleichzeitig aktuell ist wie nie. Als Sinnbild für den damit verbundenen inneren Antrieb eines jeden Menschen stellt De Nigris einen Tänzer im Laufschritt auf die Bühne.

Sein ehemaliger Kollege Massimo Margaria hat ihm zu Texten von W. Keith Campbell eine elektronische Klangcollage erstellt, die den Auftakt liefert für ein Stück über die Selbstverliebtheit einer ganzen Generation im Selfie- und Fitnesswahn, in der Schein mehr gilt als Sein. Ravels berühmte Komposition bildet den zweiten Teil dieser Choreografie.

CARMEN

Die aus Zagreb (Kroatien) stammende Tänzerin und Choreografin Valentina Turcu gilt als eine der kreativsten und vielseitigsten Künstlerinnen ihrer Heimat. Neben zeitgenössischen Tanzkreationen schuf Turcu auch zahlreiche Arbeiten für das Schauspiel (Hamlet, Dreigroschenoper u. a.) und das Musiktheater (Carmen, La Bohème u. a.), die ihr den Zugang zu großen Handlungsballetten öffneten. Vor allem ihre mehrfach preisgekrönten Fassungen von Romeo und Julia und Carmen (siehe Foto), beide entstanden für das Kroatische Nationaltheater in Split, erobern derzeit die internationalen Spielpläne. Letztere wird nun auch – das erste Mal in Deutschland – auf der Augsburger Bühne im Kongress am Park zu sehen sein. Damit erwartet das Publikum im zweiten Teil des Abends die Dreiecksgeschichte einer starken, unabhängigen Frau zwischen zwei Männern. Ein Konflikt, den sie mit ihrem Leben bezahlt.

Karten für Carmen / Bolero sind ab sofort online und beim Besucherservice erhältlich.

Wer komponierte „Kaspar Hauser“?

Am 23. April feiert die in Koproduktion mit dem Theater Freiburg entstandene Oper Kaspar Hauser Premiere im Textilmuseum. Doch wer steckt hinter der Neukomposition?

Komponist Hans Thomalla

Hans Thomalla, gebohren 1975 in Bonn, studierte Komposition an der Musikhochschule in Frankfurt und an der Stanford University. Heute lebt der Komponist in Chicago, ist als Professor für Komposition an der Northwestern Universtity tätig und leitet dort das von ihm gegründete Institut für Neue Musik.

In seinen Werken thematisiert Thomalla die Ambivalenz von Musik als kulturell und geschichtlich bestimmten Ausdruck aber auch als akustisch geprägte Klangrealität. Dabei schreibt er schreibt Kammer- und Orchestermusik – sein Fokus liegt allerdings auf dem Musiktheater. Seine erste Opernkomposition Fremd für Solisten, Chor, Orchester und Eletronische Klänge kam im Juli 2011 in Stuttgart zur Uraufführung. Thomallas zweite Oper Kaspar Hauser feierte im April 2016 als Koproduktion der Theater Freiburg und Augsburg Premiere in Freiburg.

Hans Thomalla wurde mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet. So erhielt er unter anderem den Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung und den Kranichsteiner Musikpreis sowie den Christoph-Delz-Preis.

Kaspar Hauser feiert am 23. April 2017 Premiere im tim.
Karten und Infos gibt es hier.

Musikalische Brecht-Revue

Am Freitag fiel der Startschuss – das Brechtfestival 2017 feierte mit Der gute Mensch von Downtown, einem Gastspiel des Theaters RambaZamba sowie der Eigenproduktion Die Maßnahme Eröffnung in brechtbühne und Gaswerk. Bis 12. März sind jetzt wieder hochkarätige Theaterensembles, Musiker, Slam Poeten, Literaten, Filmemacher und Brechtforscher in Augsburg zu Gast, die den gesellschaftskritischen Künstler Brecht in seinem Facettenreichtum, seiner Unbequemlichkeit und seiner Widersprüchlichkeit erlebbar machen.

Trotz geschlossenem Großen Haus heißen auch wir in den ersten zwei Märzwochen einige Festivalproduktionen auf unseren Bühnen im hoffmannkeller, der beim Brechtfestival zum Brechtkeller wird, in der brechtbühne und sogar auf den Probebühnen Willkommen! Darüber hinaus freuen wir uns, auch in diesem Jahr wieder eine Eigenproduktion beisteuern zu dürfen:

Die Welt ist: schlecht! Und ich bin: Brecht!

Hier wurde Festivalleiter Patrick Wengenroth selbst tätig und hat für unser Schauspiel-Ensemble eine musikalische Brechtrevue inszeniert. Am 9. März um 19.30 Uhr blickt die Produktion in der brechtbühne ihrer Uraufführung entgegen. Unter Verwendeung des Badener Lehrstücks vom Einverständnis und anderen Texten von Bertolt Brecht lädt Wengenroth zur Auseinandersetzung mit Brecht ein: streitbar, krude, zart, zum Brüllen komisch und vor allem in Reibung mit der Gegenwart. Dabei schlüpft der Festivalleiter selbst in die Rolle des Dramatikers und zeigt dem Publikum, wie er Brecht und das Festivalprogramm versteht.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung verriet Patrick Wengenroth bereits vorab: „Ich verwende seit Jahren gerne Musik in meinen Produktionen. Mein langjähriger Musikerkollege, Matthias Kloppe, begleitet mich und fünf Schauspieler des Theaters Augsburg. Text und Musik wechseln sich ab, wobei die meiste Musik nicht von Brecht stammt. Wir nehmen eines der selten gespielten Lehrstücke von Brecht mit rein, „Das Badener Lehrstück vom Einverständnis“. Ein Stück im Stück, sozusagen. Je nachdem, wie Brecht-affin der Zuschauer ist, wird er Assoziationen zu verschiedenen Brecht-Figuren haben: Puntila, Mackie Messer, Baal. Ich selbst bin halb Brecht, halb Helene Weigel – im Kostüm. So surfen wir durch Brechts Werk.“

Die Welt ist: schlecht! Und ich bin: Brecht! ist auch nach dem Brechtfestival noch bis zum 8. April in der brechtbühne zu sehen.


Premiere: 9. März 2017 | brechtbühne
Die Welt ist: schlecht! Und ich bin: Brecht!
(UA)
Musikalische Revue von (und mit) Patrick Wengenroth unter Verwendung des Badener Lehrstücks vom Einverständnis und anderen Texten von Bertolt Brecht.

Kaspar Hauser im tim – was steckt dahinter?

Am 23. April 2017 steht die nächste Opernpremiere ins Haus: Kaspar Hauser feiert Premiere im Staatlichen Textil- und Industriemuseum (tim). Die Produktion wird in einer konzertanten Version mit szenischen Impressionen zur Aufführung kommen. Was dahinter steckt?

Kaspar Hauser entstand als Koproduktion mit dem Theater Freiburg. Dort kam die in den Jahren 2013 bis 2015 geschaffene Komposition von Hans Thomalla im April 2016 in einer Inszenierung von Frank Hilbrich zur Uraufführung. Am Theater Augsburg sollte die Oper nun eigentlich im Großen Haus zu erleben sein – mit der kurzfristigen Schließung musste umgedacht werden. Zunächst schien es, als könnte die Koproduktion im Martini Park eine neue Heimat finden. Leider mussten diese Pläne jedoch schon kurze Zeit später wieder verworfen werden.

Nun freuen wir uns, Ihnen Kaspar Hauser in einer konzertanten Aufführung mit szenischen Impressionen (Kostümbild Gabriele Rupprecht) im Textilmuseum präsentieren zu dürfen!

Am Sonntag, 23. April 2017 ist Premiere – wir freuen uns auf Sie!

Opernproduktion „im Geiste Shakespeares“

Er gilt als einer der größten italienischen Opernkomponisten: Giuseppe Verdi. Auch 116 Jahre nach seinem Tod werden Regisseure, Dirigenten, Sänger und Musiker nicht müde, seine Kompositionen zu interpretieren und weltweit in Szene zu setzen. Auch unser Musiktheater-Ensemble widmet sich aktuell einem Klassiker Verdis: Sein Spätwerk Otello feierte am Sonntag Premiere im Kongress am Park.

Eine Geschichte voller brennender Leidenschaften

Die Handlung der Oper geht auf die gleichnamige Tragödie von William Shakespeare zurück: Feldherr Othello bringt in rasender, blinder und durch den Intriganten Jago befeuerter Eifersucht zunächst seine geliebte Ehefrau Desdemona und schließlich sich selbst um. Eine Geschichte voller brennender Leidenschaften, die Giuseppe Verdi und Librettist Arrigo Boito zu einer Oper verarbeiteten.

Um Figuren, Handlung und Musik in eine dramatische Einheit zu bringen, haben Verdi und Boito bewusst mit tradierten Opernkonventionen gebrochen. So wäre eine zweisätzige Auftrittsarie für Othello beispielsweise absolut fehl am Platz und würde die Handlung unnötig aufhalten. Stattdessen präsentiert uns Verdi in aller Kürze einen glorreichen Helden und strahlenden Liebhaber, dessen Strahlkraft fast schon zu hell ist, um wahr zu sein. Als Verdis spätes Meisterwerk zeigt Otello im „Geiste Shakespeares“ exemplarisch die zersetzenden Kräfte von falscher Identifikation, Verblendung und Manipulation auf – Themen, die Drama und Oper zeitlos erscheinen lassen.

Im Gegensatz zum shakespearschen Original verzichtet Regisseurin Michaela Dicu allerdings auf die Darstellung von Othello als Mohr. Ihre Hauptfigur ist nicht farbig: „Meiner Meinung nach ist die schwarze Hautfarbe eine bildlich-sichtbare Übersetzung von Othello als dem Außenseiter. Aber ich brauche keine dunkle Hautfarbe, um das zu erzählen.

Michaela Dicu inszenierte

Genau 130 Jahre nach der Uraufführung der Verdi-Oper an der Mailänder Scala setzt Michaela Dicu die Geschichte um Intrigen, Eifersucht und Mord im Kongress am Park für das Theater Augsburg in Szene. Dabei ist die freischaffende Regisseurin in Augsburg keine Unbekannte: In der vergangenen Spielzeit inszenierte sie die Kinderoper Kannst du pfeifen, Johanna?, die als mobile Produktion in Augsburger Schulen und der Region zu sehen war. Zudem assistierte sie Peter Konwitschny bei der Neuinszenierung der Oper Lady Macbeth von Mzensk an Det Koneglige Theater Kopenhagen und übernahm in der Spielzeit 2015/16 die Einstudierung dieser Produktion am Theater Augsburg.

Ihr zur Seite steht das in Augsburg ebenfalls bewährte Ausstattungs-Duo Okarina Peter und Timo Dentler. Die beiden Bühnen- und Kostümbildner hüllten in der Fuggerstadt bereits mehrere Produktionen in Farben und Formen und ließen Räume und Darsteller strahlen: So zuletzt bei Lady Macbeth von Mzensk, den Blues Brothers, Hair und vielen mehr. Die musikalische Leitung des Abends hat Generalmusikdirektor Domonkos Héja, der gemeinsam mit den Augsburger Philharmonikern musikalisch durch den Abend führt.

Gelungene Premiere

Premiere feierte die Produktion vergangenen Sonntag, 19. Februar. Auch die Presse zeigt sich überzeugt:

„Eine saftige, lustvoll angespielte Verdi-Symphonie, eruptiv, dunkel grundiert, manchmal auch zu knallig. Chefdirigent Domonkos Héja ist ganz Fels in der Brandung, koordiniert unerschütterlich, dreht auf, wo es sein darf, bleibt aber immer sängerdienlich und hält den hochpräzisen Chor auf Kurs. Eine der faszinierendsten Augsburger Produktionen der vergangenen Jahre. Was so alles aus Not geboren werden kann.“ Markus Thiel, Münchner Merkur

„Wenn Zurab Zurabishvili in der expansiven Titelrolle, Antonio Yang als diablosicher Marionettenführer Jago und Sally du Randt als jugendlich-tönende Desdemona ihre anfängliche Anspannung hinter sich gelassen haben, entwickelt sich einschließlich Chor ein Glanz, wie er kaum zu erhoffen war. Große Klasse!, gestützt von Ji-Woon Kim (Cassio) und Kerstin Descher (Emilia).“ Rüdiger Heinze, Augsburger Allgemeine

Die zweite Vorstellung ist bereits heute Abend, 21. Februar 2017. Um 19.30 Uhr wird Verdis packende Oper ein zweites Mal im Kongress am Park zur Aufführung kommen.

Ein Erfolgsroman auf der Augsburger Kellerbühne

Es war der Überraschungs-Bestseller 2015/16: Auerhaus. Im Mai 2015 erschienen, wurde Bov Bjergs WG-Roman – weder durch den Namen eines großen Verlagshauses, noch durch eine Erwähnung im Rahmen einer Buchpreisverleihung – zunächst zum Geheimtipp, bekam eine Empfehlung beim Literarischen Quartetts und hielt sich schließlich sage und schreibe 37 Wochen auf der Bestsellerliste.

Worum gehts?

Westdeutsche Provinz, mitten in den Achtzigern: das Abitur steht kurz bevor, da begeht Frieder einen Selbstmordversuch. Um ihm neuen Lebenswillen zu impfen, eröffnet sein bester Freund Höppner kurzerhand eine WG. Ein altes Bauernhaus auf dem schwäbischen Land wird für sechs Freunde zum Lebensmittelpunkt, zur rettenden Festung gegen die lästigen Pflichten, die Zukunft und das Erwachsenwerden, zum Ort großer Freiheit und doch großer Verantwortung. Denn über all der Leichtigkeit und Unbeschwertheit schwebt Frieders Ankündigung, „es“ wieder zu tun.

Nun kommt die Erfoglsgeschichte auf die Augsburger Kellerbühne: Regieassistentin Bibiana Picado Mendes wird Bov Bjergs Coming-of-Age-Roman im hoffmannkeller in Szene setzten. Bereits in der Spielzeit 2015/16 bewies die Nachwuchs-Regisseurin mit Der Russe ist einer, der Birken liebt ihr Können auf der Augsburger Studiobühne. Am 10. Februar soll nun die zweite Inszenierung folgen. Nicht verpassen!

Premiere AUERHAUS
10. Februar 2017
20.30 Uhr
hoffmannkeller