Auf „Spurensuche“ beim diesjährigen Mozartfest

Ab heute ist es wieder soweit: Bis einschließlich 27. Mai 2017 ist Augsburg im Mozartfieber! Das Deutsche Mozartfest lädt ein, per Spurensuche die vielfältigen Bezüge und Verflechtungen zwischen verschiedenen Epochen zu entdecken. Die Spuren Mozarts führen über die Romantik und Komponisten wie Mendelssohn und Brahms hin zur zeitgenössischen Musik, die sich neben eigenen Formen und Kompositionstechniken auch mit ihren klassischen Vorbildern auseinandersetzt.

Im Rahmen des Festivals sind auch in diesem Jahr wieder zahlreiche national und international gefeierte Musiker und Musikerinnen zu Gast. So dürfen Sie sich unter anderem auf Benjamin Appl, den neuen Star am Baritonhimmel, die Echo-Preisträger Nuria Rial und Maximilian Hornung sowie die vielfach ausgezeichneten Jazzmusiker Michael Wollny und Vincent Peirani freuen.

Und auch wir sind beim diesjährigen Mozartfest mit zwei Konzerten vertreten. Am 24. Mai spielt das SoundLeaks Ensemble – das sich aus einem Teil der Augsburger Philharmoniker formiert – in der Staatsgalerie der Katharinenkirche. Unter dem Motto Retrospektive – Mozart & co. recomposed begibt sich das Ensemble auf eine „Zeitreise“ mit neuen Interpretationen der Werke alter Meister. Zum krönenden Abschluss des Festivals laden die Augsburger Philharmoniker am 28. Mai zu einem Konzerthighlight mit dem Titel Mozart & Strauss reloaded. Der britische Star-Cellist Steven Isserlis wird gemeinsam mit den Meisterschülern der Kronberg Academy, den Augsburger Philharmonikern und GMD Domonkos Héja drei Spielarten der konzertanten Sinfonie in Anlehnung an das diesjährige Festivalmotto „Spurensuche – Tracking Mozart“ zum Besten geben.


Karten zu diesen und allen weiteren Veranstaltungen des Festivals sowie weitere Informationen finden Sie unter www.mozartstadt.de

Mozart & co. recomposed mit dem Ensemble SoundLeaks

Immer wieder finden wir bei den Komponisten unserer Zeit das ganz bewusste Bekenntnis zu den Werken Alter Meister, durch die ein neues musikalisches Werk entsteht: eine Melange aus Alt und Neu in unterschiedlichster Gewichtung. Mal tritt dabei das Profil des Vorbildes, mal das des Bearbeiters deutlicher zutage – eine altehrwürdige Ikone der Musik wird hier mit epochalem Abstand überformt.

Ulrich Kreppein – Abendlied

Ulrich Kreppein geht in seinem Abendlied, dem letzten seiner drei Fantasiestücke, dabei ganz im Sinne einer musikalischen Spurensuche vor:

„Schließlich sind darin viele Spuren von Wiegenliedern versteckt oder kollagiert und es gibt zwei kurze Anklänge an Robert Schumann – zumindest würde ich sagen, dass das Schumann sein könnte – insofern ist da viel vertraute, frühere Musik drin, wie hinter einem Schleier mit verschiedenen Graden von Deutlichkeit.“

Salvatore Sciarrino – Mozart Adagio KV 356 und Gesualdo senza parole

Den sizilianischen Komponisten Salvatore Sciarrino, der mit Leidenschaft Musik früherer Komponisten bearbeitet, fasziniert besonders Wolfgang Amadeus Mozart. Bei dessen Adagio KV 356, übertrug Sciarrino den überirdisch-fragilen Klang der Glasharmonika in eine anrührend zarte Fassung für Kammerensemble. Auch auf den Renaissance-Meister Carlo Gesualdo hat Sciarrino ein besonderes Augenmerk. Vier Madrigale seines Landsmannes versah er in seiner Hommage Gesualdo senza parole mit heutigen Akzenten.

Tristan Murail – Feuilles a travers les cloches

Ein feinnervig-zartes Klangbild zeichnet Tristan Murail, ein Lehrer Robert Kreppeins, in Feuilles à travers les cloches (dt. Durch Glocken hindurch klingende  Blätter) auf, in welchem er dem Klavierstück Cloches à travers les feuilles von Claude Debussy nachgespürt. Mit gedämpftem Klavierklang à la Debussy und der Natur als Inspirationsquelle erweist er dem Meister des Impressionismus seine Referenz.

Isabel Mundry – Dufay-Bearbeitungen

Isabel Mundry schenkt in ihren Dufay-Bearbeitungen den Motetten des flämischen Renaissance-Meisters ein sensibles instrumentales Klangfarbenspektrum.

Volker Nickel – Redoute. 10 deutsche Tänze et al. für Oktett

Eigens für das Deutsche Mozartfest 2017 schrieb Volker Nickel seine 10 deutschen Tänze et al. für Oktett. Sie erinnern an das volkstümliche, um 1900 beliebte Genre der „Deutschen Tänze“. Gespielt und getanzt wurden sie gerne im Redoutensaal oder kurz der „Redoute“ – was dann den Saal ebenso wie die Tanz bezeichnen konnte. Ursprün glich bedeutete Redoute „Zufluchtsort“, etwa auch beim Festungsbau. Nickels Redoute erzählt eine Geschichte samt Intermezzo entlang einiger auf den Tanz bezogener Zitate.

Diese musikalischen „Zeitreisen“ erleben Sie am 24. Mai 2017 bei Retrospektive – Mozart & Co. recomposed, einem Konzert des Ensemble SoundLeaks der Augsburger Philharmoniker mit dem Pianisten Jürgen Kruse. Die musikalische Leitung des Abends, der im Rahmen des Deutschen Mozartfests 2017 stattfindet, übernimmt Johannes Gutfleisch. Konzertbeginn ist um 22 Uhr in der Staatsgalerie der Katharinenkirche (Eingang Schaezlerpalais, Maximilianstraße 46, 86150 Augsburg).


Retrospektive – Mozart & Co. recomposed
eine Veranstaltung des Deutschen Mozartfestes 2017
am 24. Mai 2017
in der Staatsgalerie der Katharinenkirche

Informationen und Karten: www.mozartstadt.de

Kaspar Hauser – die Titelrolle

Vor einem Jahr das erste Mal in Freiburg uraufgeführt, nun auch in Augsburg: Hans Thomallas Oper Kaspar Hauser entstand als Koproduktion der Theater in Augsburg und Freiburg – heute, am 23. April, feiert die Auftragskomposition nun Premiere im Textilmuseum Augsburg (tim)!

Besondere Aufmerksamkeit kommt in der Produktion natürlich der Titelfigur zu, für deren Partie der Komponist ganz spezielle Anforderungen hatte: „Seine Stimme sollte die größtmögliche physische Präsenz haben und zugleich die Leichtigkeit eines Kindes.“ Diese fand Thomalla in Countertenor Xavier Sabata, der am Theater Freiburg die Rolle des Findelkindes übernahm – und auch am Theater Augsburg in der Hauptpartie zu sehen sein wird!

Xavier Sabata (Foto: Michal Novak) stammt aus dem katalanischen Avià. Nach einem Schauspiel-Studium an der Hochschule für Theater in Barcelona führte ihn sein Weg in die spanische Hauptstadt. Am Madrider Konservatorium absolvierte Sabata ein Saxophon-Studium und an der Escola Superior de Musica Catalunya ein Studium für historischen Gesang und Lied. An der Hochschule für Musik in Karlsruhe perfektionierte der Countertenor seine Stimme unter Hartmut Höll und Mitsuko Shirai. Nach ersten Arbeiten mit William Christie und Les Arts Florissants steht Sabata mittlerweile mit Ensembles wie Europa Galante, Collegium 1704, El Concierto Español, dem Orquesta Barroca Sevilla und vielen weiteren auf der Bühne. Gastauftritte führen ihn regelmäßig ans Théâtre des Champs-Élysées in Paris, das La Fenice in Venedig, die Krakauer Oper, Madrids Teatro Real, die Tchaikovsky Halle in Moskau und in die führenden Hallen von London und New York.

Dabei ist der Countertenor preisgekrönt: 2013 gewann Xavier Sabata den Premio Ópera Actual, im Jahr darauf wurde er mit dem Premi Tendències d’el Mundo (2014) ausgezeichnet. Sein Repertoire reicht von Cavalli und Monteverdi, über die Heldenrollen der barocken Opera Seria, bis hin zu Erstaufführungen innovativer neuer Werke wie Fabrice Bollons Oscar und die Dame in Rosa. Im Rahmen der Koproduktion Kaspar Hauser übernimmt Xavier Sabata nun erstmals in Augsburg ein Engagement. Die Presse zeigte sich von seiner Leistung in Freiburg bereits sehr angetan:

„Die Klangsprache ist komplex, anspruchsvoll und fordert dem Hörer hohe Konzentration ab. Doch sich darauf einzulassen, lohnt. Die jedem Akt implantierte, mit „Riss“ betitelte Sequenz, in der Kaspar Hauser seine Reflexionen wie einen inneren Monolog offenlegt, berühren zutiefst in ihrer Differenziertheit. Hier ist es an der Zeit, Xavier Sabatas Kaspar Hauser-Darstellung zu applaudieren. Dass der Komponist die Partie für Countertenor schrieb, ist nachvollziehbar; dass er sie speziell für den Spanier verfasste, noch weit mehr. Die Modulationsfähigkeit dieser Stimme, ihre Souveränität im Umgang mit avantgardistischen Gesangstechniken, vor allem aber ihr androgyner Klang drücken der Figur einen unverwechselbaren Stempel auf.“
Alexander Dick, Badische Zeitung, 11. April 2016

Bernhard Doppler beschreibt den Countertenor in seiner Rezension für Deutschlandradio Kultur vom 9. April 2016 als „bewundernswert“, „weil von ihm eine große Bandbreite stimmlicher Variation gefordert ist: von Geräuschen am Beginn, vom Buchstabierern, von Falsett und aber auch tieferen Tönen.“

Kaspar Hauser
konzertante Aufführung mit szenischen Impressionen
Premiere: 23. April 2017

Wie klingt Kaspar Hauser?

Am 23. April feiert Kaspar Hauser Premiere im tim (Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg). Die Koproduktion mit dem Theater Freiburg ist in Augsburg konzertant mit szenischen Impressionen zu sehen.

Das besondere Augenmerk liegt dabei auf den Sängern und Musikern der Produktion. Vor dem Hintergrund der Geschichte drängen sich unwillkürlich Fragen auf: Wie klingt die Figur des Kapar Hauser? Wie hat Thomalla die holprigen Kommunikationsversuche und wirren Aussagen des Findelkindes musikalisch umgesetzt?

Der Komponist selbst äußert sich dazu in einem Werkstattbericht der Deutschen Bühne (September 2015):

„Schon früh, in den ersten musikalischen Gedanken zur Oper, lag dieser utopische Aspekt in der erdachten Stimme des Protagonisten: eine Stimme die alles ist – und damit nichts Eigenes. Kaspar Hauser sollte Echo der höchsten Frauenstimmen in der Oper sein können und zugleich die Bässe musikalisch spiegeln; seine Stimme sollte die größtmögliche physische Präsenz haben und zugleich die Leichtigkeit eines Kindes.

Die Begegnung mit dem Countertenor Xavier Sabata in Freiburg im Winter 2012 war dann für die Entstehung des Stückes ein zentraler Impuls: Zwar kann auch er nicht auf überirdische Weise den Koloratursopran einer Königin der Nacht mit der Bass-Gewalt eines Fafner verbinden, aber er machte mir klar, dass die Stimme des Kaspar Hauser nicht unbedingt alles sein muss, sondern dass sie einen Widerspruch in sich tragen kann und sich damit einer stereotypen Identität entzieht. Sabatas Stimme hat die Leichtigkeit und Geschmeidigkeit eines Countertenors und zugleich im Brustregister die Präsenz eines Baritons. Seine Ambivalenz aus femininem Falsett und maskuliner Physis präsentiert genau die Ungreifbarkeit der Titelfigur.“

Mit fremd-wirkenden Geräuschen, übermäßig gedehnten Melodien, langgezogenen Vokal-Linien, harten konsonantischen Plosivlauten und komprimierten Satz- und Wortstücken hangelt sich Kaspar Hauser durch sämtliche Optionen der stimmlichen Artikulation. In seiner Ungreifbarkeit und Fremdartigkeit schlägt er somit wie ein gesanglicher Meteorit in die bürgerliche Ordnung ein.

Termine und Karten

Die Entstehungsgeschichte einer Opernproduktion

Vergangenen April feierte Kaspar Hauser Uraufführung am Theater Freiburg. Rund ein Jahr später feiert die in Koproduktion mit uns entstandene Oper nun auch in Augsburg Premiere.

Komponist Hans Thomalla schuf die Oper, die als Auftragswerk des Theaters Freiburg entstand, in den Jahren 2013 bis 2015. Eine erste Begegnung mit dem Stoff hatte der Komponist in einem Bildband zu Kaspar Hauser, auf den er in der Stanford Library stieß. Von der Thematik fasziniert, entwarf Thomalla noch während den Proben zu seiner ersten Oper „Fremd“ ein Libretto und eine Projektskizze. Nach den ersten Treffen mit Countertenor Xavier Sabata konnte Thomalla seine Ideen zur musikalischen Figur des Kaspar Hauser konkretisieren und erarbeitete einen spezifischen „Sound“ für die Gesellschaft, in die das rätselhafte Findelkind einschlägt.

Thomalla selbst schreibt zur Entstehung seiner Komposition in der Deutschen Bühne (Ausgabe Dezember 2015):

„Was als eine dokumentarische Reflexion über Kaspar Hauser begann, war am Ende die Oper „Kaspar Hauser“. Dabei wich die Nacherzählung einer historischen Begebenheit mehr und mehr dem autonomen Text der Partitur mit seiner eigenen musikalischen und sprachlichen Realität und als letztem Entwicklungsschritt einer Vergegenwärtigung durch die Inszenierung auf der Freiburger Bühne. Dass dieser eigene musikalische, sprachliche und szenische „Text“ der Oper viele Anknüpfungspunkte mit dem dokumentarsichen Material hat, versteht sich von selbst.“

Die Presse zeigt sich begeistert vom dreiaktigen Opernwerk. Susanne Benda, Journalistin bei den Stuttgarter Nachrichten, schreibt nach der Uraufführung im April 2016:

„Auch Thomallas zweites Musiktheater lebt von der hohen Kunst der Vokalkomposition. […] Schon „Fremd“, uraufgeführt 2011 in Stuttgart, war, so gesehen, eine Oper über die Oper (oder über das Nachdenken darüber), und das ist jetzt wieder der Fall. Auch „Kaspar Hauser“, dessen Libretto Thomalla nach Zeitzeugenberichten und nach den autobiografischen Notizen Hausers selbst verfasste, hätte den Titel „Fremd“ tragen können, und so darf man die wunderschönen Szenen, in denen Thomalla die Begriffe „Nichts“ und „Niemand“ mit zerbrechlichen, oft kaum hörbaren Klängen umkreist, als zentrale Momente des Stücks verstehen.
Sie sind dessen schönste. Thomalla erweist sich auch in diesem Stück wieder als Vokalkomponist von höchster Fantasie, Kraft und Qualität. Bei den (exzellent einstudierten) Ensembleszenen könnte man versinken in die fast erotisch wirkenden Reibungen und dichten Kreuzungen der Gesangslinien, die sich, oft unbegleitet, zu amorphen, irisierenden Klangflächen fügen. Kompositionstechnisch beweist das Stück ebenso höchstes Niveau wie in seiner Art des Nachdenkens über die Musikgeschichte.“

Kaspar Hauser
Premiere: 23. April 2017
Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim)

Kaspar Hauser – die Geschichte

Hans Thomallas Komposition Kaspar Hauser – eine Koproduktion mit dem Theater Freiburg – feiert im April Premiere im Textilmuseum. Der Name des Findelkindes ist weit bekannt – doch welche Geschichte steckt dahinter?

Aus dem Nichts taucht im Mai 1828 ein verwahrloster junger Mann in Nürnberg auf, der viele Schaulustige anlockt und großes öffentliches Interesse auf sich zieht. Er bewegt sich sonderbar, gibt wirre, bruchstückhafte Antworten und kann sich kaum an seine Herkunft erinnern. Kaspar Hauser wird zum Sensationsobjekt, zum Diskussionsgegenstand zahlreicher Spekulationen und zum Forschungsgegenstand der Wissenschaft. Doch seine genaue Herkunft und Identität konnten bis heute nicht geklärt werden. In den darauffolgenden Jahren durchlebt Hauser eine Zeit der Begegnungen, welche die Handlung der Oper darstellen. Pflegefamilien, Ärzte und Wissenschaftler kennzeichnen verschiedene Stationen seines Weges bis er im Dezember 1833 schließlich stirbt. Diese werden chronolgisch, aber bruchstückhaft mittels Zeitzeugenberichten und Hausers eigenen Schriften in Thomallas Komposition erzählt.

Der Komponist selbst schreibt dazu in einem Werkstattbericht, der in der September-Ausgabe 2015 der Deutschen Bühne erschienen ist:

Die Oper bringt ganz linear die historischen Ereignisse um Kaspar Hauser auf die Bühne – von der ersten Szene, dem Auftritt des Protagonisten, bis zum Finale des letzten Aktes, Hausers Tod. Auch die theatralen Mittel stehen auf den ersten Blick deutlich im Dienst der Story. Es gibt eindeutig Charaktere auf der Bühne, die der zugrunde liegenden wahren Begebenheit entstammen, die Einteilung der Szenen und Akte folgt den wesentlichen Abschnitten der Erlebnisse Hausers nach seinem Erschienen (1. Nürnberg, 2. Ansbach im Hause des Lehrers Daumer, 3. Ansbach im Hause des Lehrers Meyer).

Kaspar Hauser
Oper von Hans Thomalla
Premiere: 23. April 2017, tim

Angst vor Romantik?

MAN Diesel & Turbo präsentieren exklusiv das 5. Sinfoniekonzert

Sie ist die vorherrschende musikalische Stilrichtung des 19. Jahrunderts: Von 1830 bis circa 1900 schlägt die Romantik in ihren diversen Formen Komponisten, Musiker und Konzerthäuser in ihren Bann. In ihrem nächsten Sinfoniekonzert machen die Augsburger Philharmoniker einen Ausflug in die Epoche, die zu ihrer Zeit den Gegenpol zur Wiener Klassik Haydns und Mozarts darstellen sollte.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts hatte sich, ausgehend vom französischen „romantique“ das Adjektiv „romantisch“ in der deutschen Sprache etabliert, zunächst mit der Bedeutung „wie ein Roman“, später als Gegenbegriff von Klassik und Aufklärung, der das Fantastische, Irrationale, Gefühlsbetonte beschrieb. Die musikalische Romantik folgte jedoch erst mit einigem Abstand auf ihr literarisches Pendant, das seine Anfänge bereits Ende des 17. Jahrhunderts verzeichnet.

Dass sich hinter dem Begriff „Romantik“ unter anderem in der Orchestermusik vielfältige Ausdrucksformen verbergen, zeigen die Augsburger Philharmoniker in ihrem 5. Sinfoniekonzert Angst vor Romantik? Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Domonkos Héja laden die Musiker am 27. und 28. Februar um je 20 Uhr in den Kongress am Park. Auf dem Programm stehen dabei Brahms‘ Konzert für Violine, Violoncello und Orchester und Ernö Dohnányis erste Sinfonie.

Johannes Brahms

Die Werke von Johannes Brahms werden heute der Hochromantik zugerechnet, wenn sich auch ihr Tonfall durch Brahms‘ Hinwendung zu traditionellen Formen und Kompositionsweisen aus Barock und Klassik vom Tonfall seiner Zeitgenossen abhebt. Das Konzert für Violine, Cello und Orchester ist sein letztes Orchesterwerk. Aus Liebe zur Tradition greift Brahms hier eine Konzertform der Klassik auf (die Sinfonia concertante), versetzt sie aber in die Klangwelt der Spätromantik.

Ernö Dohnányi

Ernö Dohnányis erste Sinfonie wird im Rahmen des 5. Sinfoniekonzerts zum ersten Mal in Augsburg erklingen. Das Werk zeigt sowohl Brahms‘ Einfluss auf den jungen Komponisten, wie auch die erstaunlich reife Kompositionstechnik, über die der gerade 24-Jährige Dohnányi bereits verfügte.

Wir freuen uns, dass dank der Unterstützung von MAN Diesel & Turbo auch für dieses Konzert wieder zwei großartige Solisten gewonnen werden konnten, die das Orchester bei Johannes Brahms Komposition unterstützen: Violonist Barnabás Kelemen und Cellist László Fenyö. Beide Musiker verbindet sowohl eine langjährige Zusammenarbeit mit Generalmusikdirektor Domonkos Héja, als auch eine gemeisame erfolgreiche Karriere mit dem Kelemen Quartett.

Angst vor Romantik?
5. Sinfoniekonzert
MAN-Konzert
27. und 28. Februar 2017
Kongress am Park

Weihnachtsüberraschung der Augsburger Philharmoniker

Wer an die Augsburger Philharmoniker denkt, denkt wohl zunächst mal an ihre zahlreichen Auftritte in Konzert und Theater. So begeistert das Orchester aktuell mit der Opernproduktion Tosca und dem Ballettabend Der Nussknacker in der Schwabenhalle und konnte zuletzt mit dem Sinfoniekonzert Britain’s got talent im Kongress am Park überzeugen.

Vielleicht fallen Ihnen aber auch die unterschiedlichen Instrumentalfarben ein, die bei den Philharmonikern zu hören sind: wie zum Beispiel die nachdenkliche, warmherzige Bratsche der Enigma Variations, die todtraurige, doch schwärmerische Klarinette bei Tosca, oder die drei Flöten, die den „Mirlitons“ (dt. Rohrflöten) im Nussknacker ihren flirrenden Charme verleihen.

Wer das Orchester noch besser kennt, weiß, dass die Augsburger Philharmoniker aus 15 verschiedenen Ländern stammen, aber auch regional verwurzelt sind. Doch dass es drei Philharmonikerinnen gibt, die nicht nur ihre Orchesterinstrumente beherrschen, sondern in ihrer Freizeit den bayerischen Dreigsang auf hohem Niveau pflegen – das wissen nur wenige.

Die drei Musikerinnen haben erst kürzlich bei einer adventlichen Matinée der Philharmonischen Gesellschaft mit der Heiligen Nacht von Ludwig Thoma debütiert. Hier eine kleine Kostprobe mit drei wunderschönen Weihnachtsliedern.

Hier geht es zum Video: DREIGESANG MITTLERE MÜHLE

Es singen Katharina Hauf (eine der jüngsten Profi-Hornistinnen Deutschlands), Sopran; Christine Steinbrecher (normalerweise für unsere Harfenklänge zuständig), Mezzo-Sopran; sowie Eva Berschet (die tolle Geigerin mit dem trockenen Humor), Alt. Die Augsburger Philharmoniker wünschen ein frohes Fest!

Größenwahn, Paranoia und das Streben nach Glück

Völlig unerwartet platzt Blanche Du Bois in die Wohnung und das Leben ihrer Schwester Stella – im Gepäck: jede Menge Kritik am neuen Lebensstil, dem aktuellen Partner der jüngeren Schwester aber auch der Hoffnung auf ein Anknüpfen an die Vergangenheit. Spannungen sind da natürlich vorprogrammiert.

Vergangenen Februar feierte Tennessee Williams‘ Endstation Sehnsucht Premiere in der brechtbühne. Die Inszenierung des 1948 mit dem Pulitzerpreis prämierten Stück übernahm Maria Viktoria Linke, die gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildner Wolfgang Menardi ein wahres Feuerwerk der Schauspielkunst auf die Bühne brachte.


„Es wirkt 100-prozentig, allein schon durch das, was sich die tragisch glückssuchenden Gestalten gegenseitig an den Kopf werfen oder zuflüstern. Ein Mangel an Unmittelbarkeit, Temperament, übersteigerten Hoffnungen existiert nicht – in Maria Viktoria Linkes Augsburger Inszenierung noch untermalt von einer Band, die die Hormon- und Gefühlshaushalte in Hardrock-Agitation, Blues-Trauer, finale Paranoia-Entrückung transformieren.“

Rüdiger Heinze: „Eine Frau angelt sich einen Mann“,
Augsburger Allgemeine, 22. Februar 2016


Nun kehrt die in der letzten Spielzeit vielfach ausverkaufte Inszenierung zurück auf die brechtbühne: am heutigen Donnerstag, 15. Dezember 2016, feiert Endstation Sehnsucht um 19.30 Uhr Wiederaufnahme-Premiere. Wir wünschen dem Ensemble TOITOITOI!

Was Sie in der brechtbühne erwartet? Schauspieldramaturgin Barbara Bily sprach letzte Spielzeit mit der Regisseurin über die Produktion:

Barbara Bily: Sie haben bereits „Wir lieben und wissen nichts“ von Moritz Rinke und „Gift. Eine Ehegeschichte“ von Lot Vekemans am Theater Augsburg inszeniert. Mit „Endstation Sehnsucht“ folgt nun das dritte Beziehungsdrama – ist dieser thematische Schwerpunkt Zufall?
Maria Viktoria Linke: Das muss an Augsburg liegen … Nein im Ernst: Werden nicht im Theater meist Beziehungen verhandelt – das Sich-in-Beziehung-setzen zu seiner Umwelt, zu seinen Mitmenschen oder zu sich selbst? Ich lese Endstation Sehnsucht dennoch nicht in erster Linie als Beziehungsdrama. Das Stück reicht weit über das individuelle Schicksal, den privaten Konflikt hinaus. Mich interessiert diese unbändige Gier nach Glück, das unbedingte Verlangen der Figuren nach einem erfüllten Leben, der oft schwer auszuhaltende Größenwahn. Und die Paranoia, die das Scheitern gebiert, die Angst vorm Verschwinden, die Einsamkeit. Alles soll groß, jung, schön und magisch sein, nicht so begrenzt und vehindert wie die eigene Realität. Da braucht es Erzählungen, um die Illusion weiter zu nähren, Lebenslügen und Selbstbetrug, um seine kleine Existenz auszuhalten. Der Druck verschärft sich in einer Zeit, die einem suggerieren will, dass man für sein Glück und damit auch sein Unglück ausschließlich selbst verantwortlich ist, selber Schuld trägt an der persönlichen Misere. Die Kreation des eigenen Abbildes, die Rechtfertigung des eigenen Lebensentwurfes, der eigenen Wahrheit, wird so zur Überlebensfrage. Eine bedrohte Lebenserzählung ruft Zerstörung hervor. Was bleibt, ist Sehnsucht.

Barbara Bily: Die Bühnenbilder von Wolfgang Menardi begleiten Sie bei der „Trilogie“ – wird es bei „Endstation Sehnsucht“ auch ein ähnlich außergewöhnliches Bühnenbild geben?
Maria Viktoria Linke: Menardis Bühnen sind immer außergewöhnlich. Er hat ein enorm präzises Gespür für Räume. Sie sind Setzungen – klar und geheimnisvoll zugleich. Daneben denkt er immer vom Spiel her, da er ja selbst auch Schauspieler ist. Ich mag dieese Mehrfachbegabungen, weil die Gleichzeitigkeit von verschiedenen Perspektiven einen großen Reichtum und ein tiefes Verständnis erzeugen kann. Für Endstation Sehnsucht hat Menardi eine Seelenlandschaft kreiert, die viele Erzählungen zulässt und eine eindeutige Verortung bewusst verweigert. Die Figuren stranden an einem Ort, der in Zeit und Funktion augenscheinlich mehrere Überschreibungen erlebt hat. Der Raum weckt Assoziationen: Film noir, Auffanglager, American Dream, Insel, Turnhalle und vieles mehr. Er setzt die Figuren aus und ins Licht, der Kampf findet öffentlich statt, keine Privatsphäre möglich.

Weitere Informationen, alle Termine und Karten

Theater zu verschenken!

Mitten im Weihnachtstrubel – zwischen Lichterkettenmontage, Plätzchenbacken, Baumbeschaffung, Menueplanung und terminlichen Engpässen – stellt sich früher oder später jedes Jahr die selbe Frage: Was schenken? Auch wir haben dieses Jahr wieder unsere Angebote und den Spielplan durchforstet und drei unterschiedliche Weihnachtsboxen für Sie zusammengestellt:

DAS WEIHNACHTSABO
Außergewöhnliche Theatererlebnisse in allen vier Sparten

Machen Sie sich und Ihren Lieben ein Geschenk der ganz besonderen Art. Mit unserem Weihnachtsabo verschenken Sie beste Unterhaltung, außergewöhnliche Theatererlebnisse und abwechslungsreiche Stunden: Giuseppe Verdis Opernklassiker Otello, der zweiteilige Ballettabend Carmen/Bolero, die Komödie Pension Schöller und ein Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker in einem Paket. Ganz ohne verbindliche Termine! Unsere Abo-Geschenkbox enthält vier Scheckgutscheine für die genannten Produktionen, die der Beschenkte ab Januar 2017 zu selbst gewählten Terminen einlösen kann. Und sollte eine Produktion gar nicht gefallen, lassen sich die Gutscheine natürlich auch in andere Produktionen einlösen (ggf. mit Zuzahlung).

FREILICHTBÜHNEN-TICKETS
Sommerträume unter dem Weihnachtsbaum

Sie sind ein Highlight jeder Augsburger Sommersaison: die Open Air-Inszenierungen auf der Freilichtbühne. Im Sommer 2017 freuen wir uns, Ihnen ein ganz besonderes Musical anzukündigen: Richard O’Brien’s The Rocky Horror Show! Am 30. Juni 2017 feiert die Produktion Premiere am Roten Tor und ist dann weitere 24 Mal auf der Augsburger Open-Air-Bühne zu erleben. Der Vorverkauf hat am 1. Dezember begonnen – und schon sind die ersten 1400 Karten verkauft. Überraschen auch Sie Ihre Lieben mit Karten unter dem Tannenbaum! Sie erhalten 10% Ermäßigung auf alle Freilichtbühnen-Karten bis zum 24. Dezember 2016.

DAS INDIVIDUELLE THEATERGESCHENK
…und weitere alt bewährte Klassiker

Selbstverständlich haben Sie auch in diesem Jahr wieder die Möglichkeit Ihr Geschenk selbst aus unserem Angebot zusammenzustellen. Ob Wertgutschein, Abonnement oder Eintrittskarten für eine selbst ausgewählte Vorstellung – unser Besucherservice hilft Ihnen gerne, das passende Geschenk für die Festtage zu finden!

BALLETTKALENDER KUNST.WERK TANZ
Traumhafte Tanzwelten für das ganze Jahr

Ballettdirektor Robert Conn schuf gemeinsam mit Theaterfotograf Nik Schölzel und einem Team aus Kreativen einen Fotokalender, der die Ballettkompanie des Theaters Augsburg in einem neuem Licht zeigt. In traumhaften Bildwelten werden hier Motive der Augsburger Kultur- und Stadtgeschichte mit modernen Ausdrucksformen des Tanzes verbunden. Kunst∙Werk Tanz: Ein fabelhaftes Weihnachtsgeschenk – nicht nur für Ballettfans!

Unser Besucherservice berät Sie gerne persönlich in der Kassenhalle oder telefonisch unter 0821. 4900 zu unseren Weihnachtsangeboten. An den Adventssamstagen sind unsere Damen und Herren sogar bis 16 Uhr für Sie da!