Große Oper über einen kleinen Jungen

Am Montag, 22. Mai stellen Intendantin Juliane Votteler und Regisseur Lorenzo Fioroni erstmals die Inszenierung zu Karl Amadeus Hartmanns Oper Simplicius Simplicissimus der Öffentlichkeit vor. Einblicke in die Produktion geben bei der Opernwerkstatt mit Probenbesuch auch die Mitglieder des Opernensembles. Los geht´s um 18:45 Uhr, Treffpunkt ist die brechtbühne, Veranstaltungsort dann die Probebühne 1. Karten für die Opernwerkstatt sind für 6 Euro online und beim Besucherservice in der Kassenhalle erhältlich.

Der Regisseur
Lorenzo Fioroni inszenierte bereits an zahlreichen deutschen Theatern und Opernhäusern. Für seine Inszenierungen Dialogues des Carmelites und Nabucco am Theater Osnabrück wurde der gebürtige Italiener in der „Opernwelt“ als „Bester Regisseur“ nominiert. An der Deutschen Oper in Berlin inszenierte er bereits Verdis Simon Boccanegra und Puccinis Turandot. Auch in Augsburg kann Lorenzo Fioroni bereits auf einige umjubelte Operninszenierungen zurückblicken: Über seine Carmen schrieb Markus Thiel im Münchner Merkur am 24. Oktober 2011: „Mission erfüllt. Diese „Carmen“ ist ein Aufreger in jeglicher Hinsicht, mehr noch: ein Muss.“ Fioronis Inszenierung von Strauss´ Elektra in der Saison 2012/13 nannte Rüdiger Heinze von der Augsburger Allgemeinen „überzeugend, stringent, ja, wie gesagt: fulminant.“ Und auch in der vergangenen Spielzeit war eine Inszenierung von Lorenzo Fioroni im Großen Haus des Theaters Augsburg zu sehen: Verdis Blutoper Macbeth.

Das Regiekonzept
… wird natürlich vor der Werkstatt nicht verraten. Nur so viel: Ähnlich wie unser Schauspiel „Unruhe“ im Paradies (UA), das derzeit auf der brechtbühne zu erleben ist, findet auch Simplicius Simplicissimus in einer besonderen Arenabestuhlung statt, die einem außergewöhnlichen Regiekonzept Rechnung tragen wird.

Die Oper
Karl Amadeus Hartmann verbrachte die Jahre des Nationalsozialismus in „Inner Migration“, einsam in einem Haus am Starnberger See und beschäftigte sich mit Werken, die er nicht publizierte. Auf der Suche nach einem Stoff, der ihm angemessenen schien, die aktuelle Situation seiner Zeit auf der Opernbühne darzustellen, stieß er in der Zusammenarbeit mit Hermann Scherchen auf den Roman Der abenteuerliche Simplicissimus des Barock-Autors Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. In seiner Oper Simplicius Simplicissimus zieht er eine Parallele zwischen den Schreckensjahren Europas im 17. Jahrhundert und denen des Nazi-Terrors. Wie damals im Namen der beiden christlichen Konfessionen Millionen Menschen den Tod fanden, so sollte der Zweite Weltkrieg im 20. Jahrhundert im Namen der Ideologien ebenso verheerend und zerstörerisch das Leben aller verändern. Musikalisch entwickelt Hartmann lediglich mit einem kleinen Orchesterapparat eine differenzierte Umsetzung dieses großen Stoffes. Zu entdecken sind darin zahlreiche Mittel der neuen Musik nach Schönberg. Die überarbeitete Zweitfassung der Kammeroper erlebte ihre Uraufführung am 9. Juli 1957 am Nationaltheater Mannheim.

Der Roman
In seinem Schelmenroman Der abenteuerliche Simplicissimus, der 1668 erschien, schildert Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges aus der Perspektive eines Knaben. Das Hauptwerk des barocken Autors gilt als erster Abenteuerroman und ist heute auch unter dem Titel Simplicius Simplicissimus bekannt. Ein Junge, der ohne jede Bildung und Erziehung bei Bauern aufwächst, wird Zeuge eines Überfalls marodierender Soldaten, die alles Leben auf dem Hof auslöschen. Nur er entgeht dem Gemetzel. Hilflos irrt er durch das verwüstete Land und findet bei einem Einsiedler Unterschlupf. Dieser unterweist ihn in der christlichen Religion und gibt ihm wegen seiner großen Einfalt den Namen Simplicissimus. Als sein Mentor stirbt, zieht der Knabe weiter und gerät schließlich auch in die Stadt und an einen Hof. Dort erkennt er die Mechanismen, die die Gesellschaft erhalten: Die Wenigen oben, die in den Bäumen leben wie die Vögel, ernähren sich von den Vielen unten, die mit ihrem Blut die Erde tränken.

Wir präsentieren Simplicius Simplicissimus ab dem 2. Juni (Premiere) in der brechtbühne des Theaters Augsburg – im Rahmen von In Gottes Namen.

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