Kaspar Hauser – die Titelrolle

Vor einem Jahr das erste Mal in Freiburg uraufgeführt, nun auch in Augsburg: Hans Thomallas Oper Kaspar Hauser entstand als Koproduktion der Theater in Augsburg und Freiburg – heute, am 23. April, feiert die Auftragskomposition nun Premiere im Textilmuseum Augsburg (tim)!

Besondere Aufmerksamkeit kommt in der Produktion natürlich der Titelfigur zu, für deren Partie der Komponist ganz spezielle Anforderungen hatte: „Seine Stimme sollte die größtmögliche physische Präsenz haben und zugleich die Leichtigkeit eines Kindes.“ Diese fand Thomalla in Countertenor Xavier Sabata, der am Theater Freiburg die Rolle des Findelkindes übernahm – und auch am Theater Augsburg in der Hauptpartie zu sehen sein wird!

Xavier Sabata (Foto: Michal Novak) stammt aus dem katalanischen Avià. Nach einem Schauspiel-Studium an der Hochschule für Theater in Barcelona führte ihn sein Weg in die spanische Hauptstadt. Am Madrider Konservatorium absolvierte Sabata ein Saxophon-Studium und an der Escola Superior de Musica Catalunya ein Studium für historischen Gesang und Lied. An der Hochschule für Musik in Karlsruhe perfektionierte der Countertenor seine Stimme unter Hartmut Höll und Mitsuko Shirai. Nach ersten Arbeiten mit William Christie und Les Arts Florissants steht Sabata mittlerweile mit Ensembles wie Europa Galante, Collegium 1704, El Concierto Español, dem Orquesta Barroca Sevilla und vielen weiteren auf der Bühne. Gastauftritte führen ihn regelmäßig ans Théâtre des Champs-Élysées in Paris, das La Fenice in Venedig, die Krakauer Oper, Madrids Teatro Real, die Tchaikovsky Halle in Moskau und in die führenden Hallen von London und New York.

Dabei ist der Countertenor preisgekrönt: 2013 gewann Xavier Sabata den Premio Ópera Actual, im Jahr darauf wurde er mit dem Premi Tendències d’el Mundo (2014) ausgezeichnet. Sein Repertoire reicht von Cavalli und Monteverdi, über die Heldenrollen der barocken Opera Seria, bis hin zu Erstaufführungen innovativer neuer Werke wie Fabrice Bollons Oscar und die Dame in Rosa. Im Rahmen der Koproduktion Kaspar Hauser übernimmt Xavier Sabata nun erstmals in Augsburg ein Engagement. Die Presse zeigte sich von seiner Leistung in Freiburg bereits sehr angetan:

„Die Klangsprache ist komplex, anspruchsvoll und fordert dem Hörer hohe Konzentration ab. Doch sich darauf einzulassen, lohnt. Die jedem Akt implantierte, mit „Riss“ betitelte Sequenz, in der Kaspar Hauser seine Reflexionen wie einen inneren Monolog offenlegt, berühren zutiefst in ihrer Differenziertheit. Hier ist es an der Zeit, Xavier Sabatas Kaspar Hauser-Darstellung zu applaudieren. Dass der Komponist die Partie für Countertenor schrieb, ist nachvollziehbar; dass er sie speziell für den Spanier verfasste, noch weit mehr. Die Modulationsfähigkeit dieser Stimme, ihre Souveränität im Umgang mit avantgardistischen Gesangstechniken, vor allem aber ihr androgyner Klang drücken der Figur einen unverwechselbaren Stempel auf.“
Alexander Dick, Badische Zeitung, 11. April 2016

Bernhard Doppler beschreibt den Countertenor in seiner Rezension für Deutschlandradio Kultur vom 9. April 2016 als „bewundernswert“, „weil von ihm eine große Bandbreite stimmlicher Variation gefordert ist: von Geräuschen am Beginn, vom Buchstabierern, von Falsett und aber auch tieferen Tönen.“

Kaspar Hauser
konzertante Aufführung mit szenischen Impressionen
Premiere: 23. April 2017

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